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ADS, Hyperaktivität

ADD = Attention deficit disorder
HKS = Hyperkinetisches Syndrom und Konzentrationsschwächen

Seit 1980 wird die Konzentrationsschwäche als psychische Krankheit im einschlägigen Lexikon „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ geführt. Es wird vermutet, dass Konzentrationsmangel dann vorliegt, wenn die Dopamin – Ausschüttung bei einer komplizierten Schrittfolge der Wahrnehmung ( im Gehirn ) aus dem Gleichgewicht gerät.
Noradrenalin und Serotonin regulieren die Hirnfunktionen. Dopamin ist ein Botenstoff, der von diesen Neurotransmittern reguliert wird.
Dopamin ist eine Substanz, die auch bei anderen Glücksempfindungen im Spiel ist.

Kinder mit Konzentrationsstörungen werden zunehmend mit Ritalin versorgt. Dieses Antidepressivum hilft bei drei von vier Patienten rasch, doch müssen bislang ungeklärte Langzeiteffekte in Kauf genommen werden.
Lernen ist für die Gehirnaktivität sehr wichtig. Die Aktivierung der beteiligten Hirnareale, die Schläfen und Stirnlappen, verläuft dann einfacher und präziser. Ohne eine ‚Basisaufmerksamkeit‘ besteht wenig Aussicht auf Lernen in Zusammenhängen. Nur durch die Aufmerksamkeit gelingt es, ein Vorstellungsbild im Bewusstsein zu halten und währenddessen andere neuronale Aktivitäten zu unterdrücken. Konzentration kann nur mit inneren Ruhe gelingen. Nur wenn der Organismus frei von negativen Impulsen ist, etwa der Angst vor Versagen, erfolgt Konzentration.
Konzentrationsübungen und gezielte Lerntechniken sind ein Teil der ganzheitlichen Lernmethode, welche sowohl die kognitiven, die physischen als auch die emotionalen Prozesse berücksichtigt. Darüber hinaus darf nicht vergessen werden, dass die hyperaktiven Kinder sehr viel Aufmerksamkeit benötigen, die erst mit der Zeit zurückgenommen werden sollte. Da die Kinder meist ‚negative Erfolgserlebnisse‘ verbuchen, sollte die Kritik ihrer Fehler nicht unmotivierend sein.

MOTOLOGEN untersuchen Kinder, die Bewegungsstörungen aufweisen, unter anderem auch Hyperaktive. Eine Körpertherapie, die für das jeweilige Kind speziell ausgewählte Übungen beinhaltet, stimuliert das vestibuläre und das kinästhetische Empfinden – ein Ausgleich, den viele Hyperaktive benötigen, um ihre Energien loszuwerden, die sie mitunter unkontrolliert meist nach außen transportieren. Hyperaktiven fällt es besonders schwer, die Zeit still sitzend zu verbringen. An besonders kritischen Tagen reichen bereits fünf Minuten aus, um davon ausgehen zu können, dass in diesem Moment der motorische Instinkt ‚Bewegung‘ ruft, bzw. dass ebenfalls in diesem Moment eine ausreichende innere Konzentration nicht vorhanden ist, um sich auf den Unterrichtsgegenstand zu fokussieren.
Man hat in der Zwischenzeit erkannt, dass Hyperaktive auf eine unterschiedliche Weise lernen, es kommt also auf das WIE, sprich, die Didaktik an, Lerninhalte zu vermitteln. Dazu bedarf es neben einer unterschiedlichen Methode auch unterschiedliche Materialien. Es ist in der Zwischenzeit bekannt geworden, dass Hyperaktive zum Teil unterschiedliche Einfallswinkel beim Lesen benötigen. Wenn also Hyperaktive ein Buch oder ein Heft vor sich haben, besitzen die sie umgebenden Gegenstände oder Menschen ein noch immer hohes Potential an Ablenkung, das sehr schwierig zu kompensieren ist. Durch die zum Teil ungenügende Verarbeitung der Reize gelingt es Hyperaktiven oder ADS – Kindern nicht, die äußeren Faktoren auszuschalten. Deshalb sollte mit Hyperaktiven mitunter in ‚reizarmen‘ Umgebungen gelernt werden.
Es sollte keine Musik oder Geräusche spielender Kinder zu hören sein, wenn Hausaufgaben gemacht werden. Auch das Fernsehen sollte etwas zurücktreten. Besser ist es, wenn hyperaktive Kinder zu Bewegungsspielen einerseits und Entspannungsübungen andererseits angehalten werden. Die Bewegung stimuliert die kinästhetische und die vestibuläre Empfindung. ( Sinnesphysiologie )

(Östliche Weisheiten sprechen von einem Energiestau, das heißt, die Lebensenergie ( Chi ) kann nicht wie vorgesehen fließen. Da unser Körper jedoch immer um Ausgleich bemüht ist, muss er auf der einen Seite ein Mehr an Energie aufwenden, um das Defizit auf der anderen Seite zu kompensieren. )

Diese Theorie legt sich die Kinesiologie zu Grunde, eine inzwischen anerkannte Methode bei der Behandlung von ADS – Syndrom, Hyperaktivität und motologischen Störungen. Im Unterricht und auch während den Hausaufgaben sollten daher körperliche Entspannungsübungen und Übungen, die den Energiestau wieder zum Fließen bringen, durchgeführt werden. ( Mehr über HKS und ADS wird im reader II „Weg aus der Unruhe“ beschrieben ! ) .

Das Lernen lernen

Anregungen für bessere Lernleistungen –

KÖRPERERFAHRUNGEN
Sich selbst kennen lernen, bedarf Bewegungsübungen Denken – Fühlen = Körper und Geist stellen eine Einheit dar Reise durch das Labyrinth des eigenen Körpers

TEXT : Ein Labyrinth besteht aus vielen geheimnisvollen Gängen, Hindernissen und Wundern. Wir bewegen uns mit den Gedanken ganz langsam vom Kopf hinab an der Nase vorbei, gelangen in die Öffnung des Mundes, bewegen uns hinüber zu den Wangen und dann den Hals hinunter. Danach eröffnet sich vor uns die gewaltige und fein gewobene Landschaft der Bronchien und der Lungenflügel. In der Ferne sehen wir unser Herz pochen und spüren das Blut strömen. Wir halten immer wieder ein, konzentrieren uns beispielsweise auf diese feine Struktur der Bronchien und bestaunen sie, bevor wir weiterreisen und in den Hohlraum des Bauches eindringen. Kreuz und quer geht es durch die Windungen unseres Darmes, aufpassen, das wir uns nicht verirren ! Jetzt wenden wir uns dem linken Bein zu und gelangen durch den Blutfluss der Venen hinunter zum Fuß, wobei wir am Knie vorbei gehen. Schließlich am Fuß angelangt, staunen wir wieder darüber, wie schmal und feingliedrig ein Fuß eigentlich ist und beenden unsere Reise im großen oder kleinen Zeh, den wir lange und langsam hin und her bewegen.

Es gibt auch andere Texte für eine Körper- oder Phantasiereise. Das Kind übersetzt die Körpervorstellungen zunächst in Symbole. Dabei unternimmt es eine geistige Reise quer durch die ganze Menschheitsgeschichte : eine symbolische Reise. Dies ist Lernen auf die innigste Art, eine körperlich – fühlende und eine geistig – formende. ICH FÜHLE DEN BODEN UNTER MEINEN FÜSSEN

Dieses Spiel kann auch mit etwas älteren Kindern gespielt werden.

Wir können darauf stehen, darauf liegen, darüber laufen, oder springen. Wir können hüpfen, uns einfach auf ihn fallen lassen oder sogar über ihn rollen. Jedes Mal haben wir ein doppeltes Gefühl : Einmal das des harten Bodens, der immer gleich bleibt, und unser Körper, auf den wir Acht geben müssen. Mit dem Boden können wir zum Beispiel schwingend gehen, leicht und nicht nur stampfend, aber auch bewusst stampfen und vor uns hin dröhnen. Dies alles ist eine Beziehung von unserem Körper zu einer anderen Materie, einem anderen Körper.

Von der Bewegung zum Laut : Hier werden körperliche Erfahrungen in andere Symbole übersetzt. Die unterschiedlichen Bewegungsabläufe lassen sich in Laute umsetzen. Beim Hüpfen stoßen wir unwillkürlich bestimmte Laute aus. Diese können wir auch nach dem Hüpfen bilden, bewusst wiederholen, dann sind es reine Klangformen. Wir können diese anschließend zu kleinen Kompositionen verarbeiten. Das geht mit dem Dröhnen oder Stampfen, was völlig andere Klangformen hervorruft als das langsame Gehen und das schnelle Gehen, das Stolpern, usw. Es bietet sich an, die Laute in Kombination mit den zuvor gemachten Bewegungen in eine Komposition zu verwandeln.

Symbolsprache mit dem Körper : Mein Körper ist rund ( = zusammenrollen ) oder eine runde Bewegung mit den Armen machen. Mein Körper ist eckig ( = spitzer Winkel wie ein ‚l‘ oder ein ‚v‘ ) ‚d‘ = halbrund, ‚A‘ = spitz, ‚c‘ = halbrund Was geht vor sich ? – Vorstellung vom Körper – Körpererfahrung – Verbindung von Buchstaben und Körper = die Welt wird so mit dem Körper gleichzeitig erkundet ! ! !

Von den Buchstaben zu den Zahlen:
Das Lernen sollte nicht schematisch erfahren werden. Die Ziffern und die alphabetischen Symbole sind aus denselben Ursprungsbildern hervorgegangen. Mit einem Nudelholz oder etwas Ähnlichem zum Schlagen, wird im Takt geschlagen und gezählt. Dabei wird der Rhythmus einstudiert und die Zahlenabfolge gelernt.

Von der Zahl zum Symbol :
SEILSPRINGEN : wir malen eine Zahl auf den Boden und springen sie nach bzw. ab.

Von der Zahl zur geometrischen Form:
Mit Papierschlangen können wir ähnliche Erfahrungen im Umgang mit alphabetischen Zeichen, Zahlen -. Zeichen, Schrift- und Zahlenreihen machen. Ein Grundelement ist dabei erneut das O ioder die Null, bzw. der Kreis. Mit dem Kreis stoßen wir in die geometrische Lernebene vor. Ein großer Kreis wird auf den Boden gezeichnet und wir stehen alle in der Mitte. Jetzt stellen wir uns Linien zur Kreisbahn hin vor, bzw. von der Kreisbahn in die Mitte. Dazu können wir dünne Seile oder Schnüre verwenden. Man kann mit den Kindern darüber reden, dass auf diese Weise der Kreis aufgeteilt wird und nun lauter kleinere Teile entstehen. Man kann auch sagen, der Kreis ist wie eine Torte, usw. Dem kreativen Lehrer sind keine Grenzen gesetzt.

Weitere Übungen : den Raum erfahren, Orientierung im Raum, Entfernungen abschätzen, den Raum kennen lernen, feste und geometrische Punkte und Figuren als Orientierungshilfe.

Das Gehirn trainieren :
In der Zeit vom ersten bis dritten LJ werden die Synapsen ( das sind die Verzweigungen im Gehirn ) ausgebildet. Dies geschieht durch Bewegung und Selbstwahrnehmung.
Mit den oben angeführten Bewegungsübungen vervollständigen die Kinder die Verbindung zwischen den neurologischen Vorgängen im Gehirn.

Die Schrift vertraut machen:
Bilder als Orientierung für Buchstaben verwenden. Für Kinder, die das Alphabet gerade erst lernen, ist die Verbindung mit einer Geschichte reizvoll. ( Lebens- oder Familiengeschichte ) Die Buchstaben des eigenen Namens wie auch alle anderen werden auf einer Alfabet – Tabelle bzw. Tafel nachgelesen. Die Visualisieren unterstützt das schnellere Einprägen des Schriftbildes der Buchstaben, was SchülerInnen der ersten und zweiten Klasse noch Schwierigkeiten bereitet.

! ! ! WICHTIG ! ! !
Bei all diesen Übungen sei gesagt : Wer zu viel lernt, vergisst das Meiste. Wer angemessen lernt, behält das Meiste. Deshalb sollten bei jüngeren SchülerInnen um so mehr Pausen gemacht werden !

Sprache und Denken

Die Frage, wie die Sprache das Denken beeinflusst, stellten bereits die Philosophen des Altertums und beschäftigt heute noch die Linguisten. Eine ziemlich junge Wissenschaft, die Psycholinguistik, befasst sich mit der Wirkung der Sprache auf die menschliche Psyche, das heißt, sie betrachtet die Sprache nicht als einen isolierten Forschungsgegenstand, wie die Linguistik, sondern setzt beim Menschen selbst an. Durch dieses Miteinbeziehen in die Forschung werden zwangsläufig Fragen gestellt, die sich auf biologischer, soziologischer und sprachwissenschaftlicher Ebene befinden.

Biologisch : Denken wird unweigerlich mit dem Gehirn verbunden. Organisch gesehen findet hier das Denken statt. Die neue Medizin ist bereits in der Lage, die Hirnströme zu messen. Das sind Impulse, die von Zelle zu Zelle übertragen werden. ( Das Gehirn besteht aus etwa 200 Milliarden von Neuronen, von denen jedes mit etwa 5000 anderen Neuronen verbunden ist !

Die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung haben Wahrnehmungsphysiologen wie folgt eingestuft : Der visuelle Kanal liefert 10 Mal mehr Informationen in Bit pro Sekunde als der auditive, ein Hundertfaches des taktilen und ein Millionenfaches des olfaktorischen Kanals ) Das verlängerte Rückenmark steuert sämtliche biologische Abläufe in unserem Körper ( Herzschlag, den Blutdruck, die Atmung usw. ) Für die Sprache wichtig sind das Mittelhirn und Vorderhirn, sowie die vier ‚Lappen‘, welche für die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis und das Konzentrationsvermögen, sowie für die Augen und die Wahrnehmung zuständig sind. Die Neuronen bestehen aus drei Teilen. Zellkörper, Dendriten und Axon. Der Zellkern strahlt kurze Verästelungen, die Dendriten, aus. Vom Zellkörper selbst geht noch ein sogenanntes ‚output-Kabel‘, das Axon aus, welches an seinen Enden Verbindungen oder Synapsen mit den Dendriten oder den Zellkörpern anderer Neuronen bildet. Diese biologische Erklärung für das Übertragen der Impulse von Zelle zu Zelle erhält nun eine psycholinguistische :

Die Psycholinguistik zieht die biologischen wie auch die linguistischen und psychologischen Erkenntnisse der Wissenschaft als Grundlage ihrer Forschung heran. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit der Frage Wie wirkt sich die Sprache auf das Denken aus ? Das gesprochene Wort hat meistens den Zweck der Kommunikation. Abgesehen davon, dass es mindestens einen Sender und mindestens einen Empfänger ( Sprecher und Hörer ) gibt, schöpfen wir bei jeder Kommunikation mehrere Arten von Quellen aus. Es sind dies vier Arten von Kanälen :

  • der taktile Kanal
  • der auditive Kanal
  • der olfaktorische Kanal
  • der visuelle Kanal

Die biologische Aufteilung der unterschiedlichen Regionen im Gehirn, ist hier weniger von Bedeutung als die Funktion und der entsprechende Reiz bzw. Nicht – Reiz auf den betreffenden Menschen. Unterschiedliche Signalkanäle Das Konzept der Affektlogik von Luc Ciompi . . . . . . beruht auf der Annahme, dass die Komplexität psychischer Strukturen und Prozesse aus dem Wechselspiel von nur zwei grundlegenden und in ihrer Wirkung komplementären Funktionseinheiten erwächst : einem qualifizierenden Fühlsystem, das mit einer kleinen Zahl von affektiven Grundzuständen operiert und einem quantifizierend – abstrahierenden Denksystem, das sich im Laufe der Evolution bis zum heutigen Menschen enorm verfeinert hat. In ihrer Kombination bilden diese ein hochdifferenziertes Gesamtsystem zur Bewältigung der begegnenden Wirklichkeit. Auf dieser Basis entstand ein neues Denkmodell, ein psycho – sozio – biologisches Modell der Psyche, in dem den Affekten oder Emotionen grundlegende organisatorische und integrative Funktionen zukommen. So verbinden sie zusammengehörige kognitive Inhalte zu kontextabhängigen Fühl-, Denk- und Verhaltensprogrammen mit gleicher emotionaler Färbung. Auch spielen sie bei der funktionsgerechten Speicherung von Gedächtnisinhalten eine zentrale Rolle.

Darüber hinaus wirken affektive Faktoren bei der Weiterentwicklung kognitiver Funktionssystem auf höheren Abstraktionsebenen mit. Zahllose Fühl-, Denk- und Verhaltensprogrammen stellen somit auf verschiedensten hierarchischen Stufen die eigentlichen Bausteine der Psyche dar, die dementsprechend als ein höchst komplex organisiertes Gefüge solcher Programme verstanden werden kann.

Unterscheidung von Kognition und Affekt
( Ratio und Gefühle )

Wenn ich an einer Reise in eine bestimmte Stadt plane, so ist das typisch Kognitive daran das Wissen von deren geographischer Lage, von Entfernungen, Einwohnerzahl, Sehenswürdigkeiten usw. Affektive dagegen sind sämtliche aufgrund früherer Erfahrungen oder anderweitigen Informationen mit diesen kognitiven Elementen bewusst oder unbewusst verbundenen positiven oder negativen Gefühle bzw. affektiven Wertungen. Sie färben und bestimmen mein ganzes Denken und Handeln – meine Logik – dieser Stadt gegenüber in entscheidender Weise und sind bei positiver Einstellung dafür verantwortlich, dass ich überhaupt für diese Reise motiviert bin, dass ich meine Elemente Aufmerksamkeit genügend lange und intensiv darauf einstelle und dass ich mich vielleicht über Monate hinweg auch entsprechend verhalte und organisiere.

Diese affektive Komponente verbindet sich mit der kognitiven zu einem funktionell integrierten Bezugssystem – ein Fühl-, Denk-, und Verhaltensprogramm, gleich einem Bild, dessen zeichnerische Strukturen die kognitiven darstellen, wohingegen die Farben den affektiven zufallen. Mit der Frage wie affektiv – kognitive Strukturen entstehen, haben sich zwei wissenschaftliche Richtungen beschäftigt : die Freudsche Psychoanalyse und die genetische Epistemiologie von Piaget.

Sprache = kognitive Verdichtung

Sie verhilft, die Welt nach Kategorien zu ordnen und die Komplexität der begrifflichen Strukturen auf ein angemessenes, erträgliches Maß zu reduzieren. Dabei wird ein Abstraktionsniveau erreicht, welches für den Menschen die höchste Form der Kommunikation darstellt. Voraussetzungen für die menschliche Sprache ist der biologische Sprechapparat und die Fähigkeit, Handlungen zu planen und einzuordnen, sowie mentale Repräsentationen von Objekten, Ereignissen und Beziehungen zu bilden und kategorisieren. Das zeigt, wie sehr Sprache und Denken miteinander verknüpft sind.

„Wörter ohne Inhalt sind leer !“

Das Gehirn eines Säuglings schon emsig dabei, Begriffe zu repräsentieren und abzurufen sowie unzählige Handlungen in Gang zu bringen, lange bevor das Kleinkind sein erstes wohl gewähltes Wort auszusprechen vermag. Das Reifen der Sprachprozesse hängt dabei nicht immer von dem begrifflicher Prozesse ab, denn einige Kinder mit unvollkommenen entwickelten Begriffssystemen haben sich dennoch grammatische Strukturen angeeignet. Daraus schließen die Sprachwissenschaftler, dass sich syntaktische Operationen autonom entwickeln. ( = Ordnen sprachlicher Elemente zu Sätzen ) Was für die Sprache von Bedeutung ist, geschieht im Mittelhirn, Vorderhirn und vor allem in den vier Lappen, den Schläfen-, Stirn-, Hinterhaupt- und Scheitellappen.

WISSENSWERTES ÜBER DIE SPRACHE

Das Deutsche gehört mit Englisch und Skandinavisch zu den germanischen Sprachen. Diese wiederum ist eine Tochtersprache der indogermanischen Sprachfamilie. Ihr Name ergibt sich aus den eng miteinander verwandten Sprachen im asiatischen und europäischen Raum, 3 Jahrtausende vor Chr. belegt. Sprachfamilien zeichnen sich durch gemeinsame Merkmale aus : – Beeinflussung benachbarter Morpheme – Syntaktische Veränderungen werden durch stammverändernde Elemente wie Affixe, Ablaut und Umlaut ausgedrückt – Es gibt nicht nur gemeinsame Bezeichnungen für ‚Mensch‘, ‚Mann‘, ‚Mutter‘, ‚Erde‘ und ‚Wasser‘, sondern auch speziellere Übereinstimmungen von Gewässer- Pflanzen- und Tiernamen.

Die geographische Verbreitung von Sprachfamilien und Einzelsprachen sind Ergebnisse von Wanderungen. Die Annahme einer indogermanischen Ursprache vor mehr als 5000 Jahren, welche sich später in Tochtersprachen aufspaltete, entspricht einem Denkschema, das sich am Bilde des Stammbaumes orientiert. Sie liegt nahe, ist aber ebensowenig zwingend wie die Annahme eines indogermanischen Urvolkes INDOEUROPÄISCH ( INDOGERMANISCH ) Hethitisch Indo – iranische Sprachen ( bes. Sanskrit ) Griechisch Armenisch Italisch > Lateinisch Albanisch u. romanische Nachfolgesprachen Keltisch Balto-slawische Sprachen Germanisch Beispiel für die Entstehung eines Wortes in den jeweiligen Einzelsprachen : Indogermanisch : Altindisch : gáuh Griechisch : bous Latein : bos Englisch : cow Deutsch : Kuh Latein ist eine italische Sprache Litauisch, Lettisch und das ausgestorbene Altpreußisch sind baltische Sprachen Bulgarisch, Ukrainisch, Großrussisch, Weißrussisch, Polnisch, Tschechisch, Slowakisch und Sorbisch sind slawische Sprachen ( diese bilden drei Teile Süd / Ost / West ) Griechisch ist seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. belegt und wurde samt dem Ionisch-Attischen zur Gemeinsprache im östlichen Mittelmeerraum.

Unter den italischen Sprachen erlangte der latinische Zweig die größte Verbreitung. Sie wurde 30 v. Chr. Verkehrssprache im westlichen Teil des Römerreiches ( bis 14 n. Chr. ) Aus dem umgangssprachlichen Vulgärlatein entwickelten sich die romanischen Sprachen, also Italienisch, Portugiesisch, Kastilisch, Katalanisch, Französisch, Provenzalisch, Rumänisch sowie Rätoromanisch. Das Keltisch war im letzten Jahrtausend v. Chr. weitverbreitet und ist auf dem Kontinent ausgestorben. Das Inselkeltische hielt sich in Irland, Schottland und Wales. Baskisch, Türkisch, Finnisch, Ungarisch und Estnisch gehören nicht in den Sprachstamm der indogermanischen Familie. Das Germanische vollzog im letzten vorchristlichen Jahrtausend eine Sonderentwicklung.

Die germanischen Sprachen unterscheiden sich seither von den übrigen indogermanischen Sprachen durch die Festlegung des indogermanischen freien Wortakzents auf den Wortanfang, durch erste Lautverschiebungen bestimmter Konsonanten-gruppen, durch die Hilfe des schwachen Präteritums mit Hilfe eines Dentalsuffixes ( -te) und durch die systematische Verwendung des indogermanischen Ablautsystems beim starken Verbum sowie durch die Bildung eines Sprossvokals /u/ vor den Sonanten l r m n. Urgermanisch gilt als Sprache eines germanischen Urvolkes, das sich im Laufe der jüngeren Bronzezeit in einzelne Stämme aufspaltete, denen die überlieferten germanischen Sprachen zugeordnet werden. Historisch treten die Germanen gegenüber den Römern nicht mehr als Einheit, sondern in einer Vielheit von Stämmen in Erscheinung.

Die Hypothesen zur Entwicklung und Gliederung der germanischen Stammessprachen sind problematisch, denn was ist ein Stamm ? Während der sog. Völkerwanderungszeit wechseln die germanischen Stämme ja nicht nur ihre Siedlungsräume, sondern es kommt auch ständig zur Auflösung alter und zur Bildung neuer Verbände. Die Geschichte der deutschen Sprache wird fassbar mit dem Beginn der schriftlichen Überlieferung in der Volkssprache während des 8. Jahrhunderts im ostfränkischen Teil des karolingischen Reiches. Die Entstehung des deutschen Reiches beruht nicht auf einem einzigen Gründungsakt, sondern sie vollzieht sich in Stufen zwischen dem Teilungs-vertrag von Verdun 843 und der Krönung Ottos I. 936, mit der sich das Prinzip der Unteilbarkeit des deutschen Reiches endgültig durchsetzt. Die Entstehung der deutschen Sprache ist zugleich und schon vorher eng verknüpft mit dem Missions- und Bildungsauftrag der Kirche zur Zeit Karls des Großen ( 768 – 814 ).

Auf den äußeren Akt der Bekehrung der germanischen Stämme zum Christentum folgte ein langer Prozess der inneren Aneignung der christlichen Lehre. Latein war die Sprache der Kirche, aber die Laien musste sie in der Volkssprache ansprechen. Im Grunde ist jeder deutsche Schrifttext des Mittelalters schon vom Schreiben her ein Vermittlungsprodukt zwischen mündlich volkssprachlicher Laienkultur und schriftlich lateinischer Klerikerkultur. Den Übersetzungen von Vaterunser und Taufgelöbnis gehen erste Versuche, deutsch zu schreiben, in Glossen und Wörterbüchern voraus.

Es gibt keine sprachlichen Kennzeichen, durch die sich das Deutsche wesentlich von den anderen germanischen Sprachen unterschiede. Die zum Deutschen gerechneten Dialekte haben sich aus den Stammessprachen spätgermanischer Großstämme ( Alemannen, Franken, Bayern, Sachsen, Thüringer ) entwickelt. Dabei stehen die niederdeutschen Dialekte in der Laut- und Formenbildung dem Englischen zum Teil näher als den hochdeutschen Dialekten. Kennzeichnend für das Deutsche ist dessen Zweiteilung in Hochdeutsch und Niederdeutsch. Die zeitliche und räumliche Binnengliederung der deutschen Sprache ist nicht zuletzt davon abhängig, welchem Teilaspekt – Laute, Formen, Wortschatz, Syntax – man den Vorzug zubilligt. Vor der neuhochdeutschen Schriftsprache unterscheidet man drei Sprachperioden, wobei Alt- Mittel und Neu – die zeitliche, hoch und nieder die räumliche und deutsch die sprachliche Komponente meinen.

Wie die zeitliche Periodisierung, so ist auch die räumliche Gliederung des Altdeutschen schwierig, weil es nur punktuell überliefert wurde. Es wurden zunächst nur Schreibsprachen einzelner Klöster überliefert. ( Fulda, Weißenburg, St. Gallen, Reichenau, Freising, Regensburg, Salzburg ) Auch das Mittelhochdeutsche ist noch keine überregionale Einheitssprache, sondern ein Sammelbegriff für eine Vielfalt geschriebener DIALEKTE. Diese sind uns nicht zugänglich, auch nicht die Umgangssprachen der adeligen Führungsschicht. Das klassische Mittelhochdeutsch zeigt zwar eine Tendenz zur überlandschaftlichen Einheitssprache, aber seine Breitenwirkung ist begrenzt. Es ist primär eine Literatursprache, nämlich die Kunstsprache der höfischen Dichter.

Heute wird das Deutsche in Sprachlandschaften gegliedert, für die vor allem die Verkehrsgemeinschaften konstitutiv geworden sind, die sich im Spätmittelalter herausgebildet haben. Erst die Grenzen spätmittelalterlicher Territorien haben die heutigen Dialektgrenzen geprägt. Das Beispiel des Rheinischen Fächers zeigt, wie sich die Grenzen des Ripuarischen, Moselfränkischen und Rheinfränkischen mit denjenigen der geistlichen Kurfürstentümer von Köln, Mainz und Trier decken. Die großen Sprachlandschaften im deutschsprachigen Raum des Mittelalters sind das Oberdeutsche, das Mitteldeutsche und das Niederdeutsche. LAUTVERSCHIEBUNGEN Die erste Lautverschiebung dürfte im Kern zwischen 400-250 v. Chr. zum Abschluss gelangt sein, denn zur Zeit der ersten Berührung der Germanen mit den Römern im 3./2. Jahrhundert v. Chr. wurden römische Lehnwörter im Germanischen nicht mehr lautlich verschoben, während zuvor germanische Namen und Wörter in lateinischen Quellen ausnahmslos in veränderter Lautgestalt begegnen. Kulturgeschichtlich aufschlussreich sind die deutschen Lehnwörter aus dem Vulgär – Lateinischen.

Da sie vielfach der zweiten Lautverschiebung unterlagen, müssen die Germanen solche Bezeichnungen, aus Handel, Landbau und Bauwesen, frühzeitig von den Römern übernommen haben. DER GRAMMATISCHE WECHSEL nach J. Grimm und dem Dänen Verner. ( = Vernersche Gesetz, 1877 ) „Die durch die erste Lautverschiebung aus den indogermanischen stimmlosen Verschlusslauten p, t, k entstandenen germanischen stimmlosen Spiranten f, p, h wurden zu den entsprechenden stimmhaften Spiranten b, d, g erweicht, wenn sie in stimmhafter Nachbarschaft standen und wenn im Indogermanischen der unmittelbar vorangehende Vokal nicht den Hauptton trug. pater – fadar – der unmittelbar vorausgehende Vokal trägt im Indogermanischen nicht den Hauptton, deshalb Spirantenerweichung im Germanischen