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Sprache und Denken

Die Frage, wie die Sprache das Denken beeinflusst, stellten bereits die Philosophen des Altertums und beschäftigt heute noch die Linguisten. Eine ziemlich junge Wissenschaft, die Psycholinguistik, befasst sich mit der Wirkung der Sprache auf die menschliche Psyche, das heißt, sie betrachtet die Sprache nicht als einen isolierten Forschungsgegenstand, wie die Linguistik, sondern setzt beim Menschen selbst an. Durch dieses Miteinbeziehen in die Forschung werden zwangsläufig Fragen gestellt, die sich auf biologischer, soziologischer und sprachwissenschaftlicher Ebene befinden.

Biologisch : Denken wird unweigerlich mit dem Gehirn verbunden. Organisch gesehen findet hier das Denken statt. Die neue Medizin ist bereits in der Lage, die Hirnströme zu messen. Das sind Impulse, die von Zelle zu Zelle übertragen werden. ( Das Gehirn besteht aus etwa 200 Milliarden von Neuronen, von denen jedes mit etwa 5000 anderen Neuronen verbunden ist !

Die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung haben Wahrnehmungsphysiologen wie folgt eingestuft : Der visuelle Kanal liefert 10 Mal mehr Informationen in Bit pro Sekunde als der auditive, ein Hundertfaches des taktilen und ein Millionenfaches des olfaktorischen Kanals ) Das verlängerte Rückenmark steuert sämtliche biologische Abläufe in unserem Körper ( Herzschlag, den Blutdruck, die Atmung usw. ) Für die Sprache wichtig sind das Mittelhirn und Vorderhirn, sowie die vier ‚Lappen‘, welche für die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis und das Konzentrationsvermögen, sowie für die Augen und die Wahrnehmung zuständig sind. Die Neuronen bestehen aus drei Teilen. Zellkörper, Dendriten und Axon. Der Zellkern strahlt kurze Verästelungen, die Dendriten, aus. Vom Zellkörper selbst geht noch ein sogenanntes ‚output-Kabel‘, das Axon aus, welches an seinen Enden Verbindungen oder Synapsen mit den Dendriten oder den Zellkörpern anderer Neuronen bildet. Diese biologische Erklärung für das Übertragen der Impulse von Zelle zu Zelle erhält nun eine psycholinguistische :

Die Psycholinguistik zieht die biologischen wie auch die linguistischen und psychologischen Erkenntnisse der Wissenschaft als Grundlage ihrer Forschung heran. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit der Frage Wie wirkt sich die Sprache auf das Denken aus ? Das gesprochene Wort hat meistens den Zweck der Kommunikation. Abgesehen davon, dass es mindestens einen Sender und mindestens einen Empfänger ( Sprecher und Hörer ) gibt, schöpfen wir bei jeder Kommunikation mehrere Arten von Quellen aus. Es sind dies vier Arten von Kanälen :

  • der taktile Kanal
  • der auditive Kanal
  • der olfaktorische Kanal
  • der visuelle Kanal

Die biologische Aufteilung der unterschiedlichen Regionen im Gehirn, ist hier weniger von Bedeutung als die Funktion und der entsprechende Reiz bzw. Nicht – Reiz auf den betreffenden Menschen. Unterschiedliche Signalkanäle Das Konzept der Affektlogik von Luc Ciompi . . . . . . beruht auf der Annahme, dass die Komplexität psychischer Strukturen und Prozesse aus dem Wechselspiel von nur zwei grundlegenden und in ihrer Wirkung komplementären Funktionseinheiten erwächst : einem qualifizierenden Fühlsystem, das mit einer kleinen Zahl von affektiven Grundzuständen operiert und einem quantifizierend – abstrahierenden Denksystem, das sich im Laufe der Evolution bis zum heutigen Menschen enorm verfeinert hat. In ihrer Kombination bilden diese ein hochdifferenziertes Gesamtsystem zur Bewältigung der begegnenden Wirklichkeit. Auf dieser Basis entstand ein neues Denkmodell, ein psycho – sozio – biologisches Modell der Psyche, in dem den Affekten oder Emotionen grundlegende organisatorische und integrative Funktionen zukommen. So verbinden sie zusammengehörige kognitive Inhalte zu kontextabhängigen Fühl-, Denk- und Verhaltensprogrammen mit gleicher emotionaler Färbung. Auch spielen sie bei der funktionsgerechten Speicherung von Gedächtnisinhalten eine zentrale Rolle.

Darüber hinaus wirken affektive Faktoren bei der Weiterentwicklung kognitiver Funktionssystem auf höheren Abstraktionsebenen mit. Zahllose Fühl-, Denk- und Verhaltensprogrammen stellen somit auf verschiedensten hierarchischen Stufen die eigentlichen Bausteine der Psyche dar, die dementsprechend als ein höchst komplex organisiertes Gefüge solcher Programme verstanden werden kann.

Unterscheidung von Kognition und Affekt
( Ratio und Gefühle )

Wenn ich an einer Reise in eine bestimmte Stadt plane, so ist das typisch Kognitive daran das Wissen von deren geographischer Lage, von Entfernungen, Einwohnerzahl, Sehenswürdigkeiten usw. Affektive dagegen sind sämtliche aufgrund früherer Erfahrungen oder anderweitigen Informationen mit diesen kognitiven Elementen bewusst oder unbewusst verbundenen positiven oder negativen Gefühle bzw. affektiven Wertungen. Sie färben und bestimmen mein ganzes Denken und Handeln – meine Logik – dieser Stadt gegenüber in entscheidender Weise und sind bei positiver Einstellung dafür verantwortlich, dass ich überhaupt für diese Reise motiviert bin, dass ich meine Elemente Aufmerksamkeit genügend lange und intensiv darauf einstelle und dass ich mich vielleicht über Monate hinweg auch entsprechend verhalte und organisiere.

Diese affektive Komponente verbindet sich mit der kognitiven zu einem funktionell integrierten Bezugssystem – ein Fühl-, Denk-, und Verhaltensprogramm, gleich einem Bild, dessen zeichnerische Strukturen die kognitiven darstellen, wohingegen die Farben den affektiven zufallen. Mit der Frage wie affektiv – kognitive Strukturen entstehen, haben sich zwei wissenschaftliche Richtungen beschäftigt : die Freudsche Psychoanalyse und die genetische Epistemiologie von Piaget.

Sprache = kognitive Verdichtung

Sie verhilft, die Welt nach Kategorien zu ordnen und die Komplexität der begrifflichen Strukturen auf ein angemessenes, erträgliches Maß zu reduzieren. Dabei wird ein Abstraktionsniveau erreicht, welches für den Menschen die höchste Form der Kommunikation darstellt. Voraussetzungen für die menschliche Sprache ist der biologische Sprechapparat und die Fähigkeit, Handlungen zu planen und einzuordnen, sowie mentale Repräsentationen von Objekten, Ereignissen und Beziehungen zu bilden und kategorisieren. Das zeigt, wie sehr Sprache und Denken miteinander verknüpft sind.

„Wörter ohne Inhalt sind leer !“

Das Gehirn eines Säuglings schon emsig dabei, Begriffe zu repräsentieren und abzurufen sowie unzählige Handlungen in Gang zu bringen, lange bevor das Kleinkind sein erstes wohl gewähltes Wort auszusprechen vermag. Das Reifen der Sprachprozesse hängt dabei nicht immer von dem begrifflicher Prozesse ab, denn einige Kinder mit unvollkommenen entwickelten Begriffssystemen haben sich dennoch grammatische Strukturen angeeignet. Daraus schließen die Sprachwissenschaftler, dass sich syntaktische Operationen autonom entwickeln. ( = Ordnen sprachlicher Elemente zu Sätzen ) Was für die Sprache von Bedeutung ist, geschieht im Mittelhirn, Vorderhirn und vor allem in den vier Lappen, den Schläfen-, Stirn-, Hinterhaupt- und Scheitellappen.

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